Die deutsche Wirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Unternehmensnachfolgen erreichen Höchststände, Investitionsvolumina steigen und Finanzierungsstrukturen werden komplexer. Allein im Mittelstand rücken tausende Unternehmer altersbedingt in den kommenden Jahren in den Ruhestand – während gleichzeitig steigende Kapitalanforderungen, regulatorische Vorgaben und volatile Märkte neue Anforderungen an Finanzierungsmodelle stellen.
Besonders familiengeführte Unternehmen stehen damit vor doppelten Herausforderungen: Sie müssen ihre Zukunft strategisch sichern und zugleich tragfähige Finanzierungsstrukturen schaffen, die Wachstum, Transformation oder Eigentümerwechsel ermöglichen. Standardlösungen stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen. Gefragt sind maßgeschneiderte Konzepte, die Kapitalstruktur, Cashflow-Resilienz und strategische Zielsetzung in Einklang bringen.
Vor diesem Hintergrund hat die Stadtsparkasse München ihren Bereich Strukturierte Finanzierungen neu aufgestellt und Kompetenzen in Konsortialgeschäft, Corporate Finance und Unternehmensnachfolge gebündelt. Im Gespräch erläutert Patrick Heigl, warum gerade jetzt spezialisierte Beratung und intelligente Finanzierungsarchitekturen entscheidend sind – und weshalb eine frühzeitige strategische Planung über den Erfolg komplexer Transaktionen im Mittelstand entscheidet.
CF-MB: Herr Heigl, wie ist es zum gezielten Ausbau des Bereichs Strukturierte Finanzierungen bei der Stadtsparkasse München gekommen – und welche strategische Lücke sollte damit geschlossen werden?
Die Stadtsparkasse München (SSKM) ist mit einer Bilanzsumme in Höhe von 23 Mrd. Euro die größte Sparkasse in Bayern und die viertgrößte Sparkasse in Deutschland. Der Bereich Strukturierte Finanzierungen, welchen es seit 2024 gibt, umfasst innerhalb der SSKM drei Teams: Konsortialstelle, Corporate Finance, Unternehmensnachfolge. Die Konsortialstelle kümmert sich um die Syndizierung von Finanzierungen, also Finanzierungen, bei welchen sich die SSKM dazu entscheidet, einen Teil der Finanzierung an andere Finanzinstitute abzugeben, oder sich an Finanzierungen anderer Finanzinstitute mit einer Tranche zu beteiligen. Dazu kommt Corporate Finance. Hier liegt der Fokus auf der Strukturierung von Anteilskäufen, darunter Nachfolgefinanzierungen, MBI- und MBO-Finanzierungen, LBOs sowie zusätzlich Projektfinanzierungen bei Photovoltaik- und Windparks. Das dritte Team beschäftigt sich mit der Unternehmensnachfolgeberatung und begleitet unsere Kunden bei der externen Unternehmensnachfolge samt der Suche nach einem passenden Käufer. Die Konsortialstelle, mit welcher die SSKM die Syndizierung aus dem Tätigkeitsfeld der Firmenkundenbetreuer herausgelöst und in eine Funktion des Konsortialspezialisten überführt hat, gibt es bereits seit 5 Jahren. Auch im Corporate Finance-Geschäft ist die SSKM bereits seit vielen Jahren aktiv. Mit der strategischen Entscheidung, eine professionelle Unternehmensnachfolgeberatung aufzubauen und in eine eigene Stellenfunktion zu überführen, ist die Entscheidung in der SSKM gefallen, die genannten Themenfelder in einen eigenen Bereich zu überführen. Insgesamt umfasst der Bereich 12 Personen. Der Bereich strukturierte Finanzierungen ermöglicht es der SSKM, mit einer deutlich stärkeren Marktwahrnehmung in den genannten Themenfeldern aufzutreten. Ebenso können wir als SSKM unsere Kunden bei komplexen Situationen und Finanzierungsanfragen mit maßgeschneiderten Lösungen begleiten, z.B. im Rahmen einer anstehenden Unternehmensnachfolge.
CF-MB: Warum entwickelt sich die Unternehmensnachfolge gerade bei familiengeführten Mittelständlern zu einer der größten strategischen Herausforderungen?
Die Unternehmensnachfolgeberatung im Mittelstand gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Durch den Renteneintritt der Generation der Babyboomer sowie der nachlassenden Bereitschaft, die Firmen in der eigenen Familie fortzuführen, gewinnen externe Nachfolgelösungen stetig an Bedeutung. Innerhalb unseres Kundenstamms haben wir über 7.000 Firmen im Bestand, bei denen der Gesellschafter/Geschäftsführer älter als 55 Jahre ist. Als SSKM kommt es regelmäßig vor, dass wir Firmen ab der Existenzgründung seit vielen Jahrzehnten begleiten. Daher ist es auch unser Anspruch, für unsere Kunden bei der Unternehmensnachfolge Sparringspartner zu bleiben und den Nachfolgeprozess mit passenden Lösungen zu begleiten. Der Erhalt übergabewürdiger Firmen ist wichtig für die Region. Hier ist es unser Anspruch auch mit Blick auf unseren öffentlichen Auftrag, geeignete Lösungen für unsere Kunden im Angebot zu haben.
CF-MB: Warum beobachten Sie aktuell einen deutlichen Anstieg des Beratungsbedarfs bei M&A-Transaktionen und strukturierten Finanzierungen im Mittelstand?
Bei M&A-Transaktion familiengeführter Mittelständler ist es wichtig, dass die Firmeninhaber sich frühzeitig mit deren Unternehmensnachfolge beschäftigen. Eine erfolgreiche Nachfolge hängt maßgeblich davon ab, wie die Firma auf den Nachfolgefall vorbereitet ist. Dies beginnt bei der Unternehmensstruktur, Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells bis hin zu der Kaufpreisvorstellung des Verkäufers. Auch erschwert die derzeitige konjunkturelle Wirtschaftslage Unternehmensnachfolgen.
Strukturierte Finanzierungen gewinnen durch den Transformationsprozess der deutschen Wirtschaft, welcher mit einem erheblichen Investitionsbedarf einhergeht, an Bedeutung. Durch den steigenden Investitionsbedarf gewinnen auch Konsortialfinanzierungen weiter an Bedeutung, da die Finanzierungsvolumina steigen. Dementsprechend steigt das Neugeschäftsvolumen an syndizierten Krediten seit Jahren. Damit Banken und Sparkassen ihren Kunden auch künftig passgenau Lösungen anbieten können, steigt der Bedarf an Spezialexpertise. Genau hier setzen meine Spezialberater mit deren Strukturierungsleistung an.
CF-MB: Warum ist die frühzeitige Einbindung von Beratern und Sparkasse aus Ihrer Sicht entscheidend für den Erfolg komplexer Transaktionen?
In der Praxis begegnen uns z.B. regelmäßig Situationen, in denen bereits angestellte Personen als Nachfolger in Frage kommen, der Kaufpreis jedoch finanziell nicht geleistet werden kann. Auch erschwert das aktuelle Wirtschaftsumfeld eine erfolgreiche Nachfolge. Dies ist bedauerlich, denn durch einen frühzeitigen Start eines Nachfolgeprozesses hat der Firmeninhaber einen deutlich höheren Spielraum an Möglichkeiten, seine gewünschte Nachfolge zu realisieren und den gewünschten Kaufpreis zu erzielen. Z.B. kann eine Erneuerung der Produktion, Wachstumsinvestition, Digitalisierung der Arbeitsprozesse oder Professionalisierung der Unternehmensorganisation entscheidend für den Erfolg einer späteren Nachfolge sein. Auch kann die Hereinnahme eines Minderheitsgesellschafters oder die Abgabe von Unternehmensanteilen „in Raten“ eine Nachfolge unterstützen. Daher ist es unser Anspruch, frühzeitig mit unseren Kunden die Unternehmensnachfolge zu planen, um Maßnahmen einzuleiten zu können, welche die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge erhöhen.
CF-MB: Wie profitieren Unternehmen konkret von der Kombination aus strukturierter Finanzierung und professioneller Beratung?
Die Finanzierungsstruktur ist bei Transformationsfinanzierungen oder Nachfolgefinanzierungen von hoher Bedeutung. Die Aufnahme von signifikanten Finanzierungsmitteln, die durch künftige Cashflows abgetragen werden müssen, belasten die Kapitaldienstfähigkeit eines Unternehmens. Unternehmer sollten daher genau abwägen, welcher Kapitaldienst mit Blick auf die künftigen Cashflows gut bedient werden kann und welcher Puffer notwendig ist, um in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten nicht in Schieflage zu geraten. Eine verantwortungsvolle Finanzierungsstruktur und professionelle Beratung tragen zum Erfolg eines entsprechenden Investitionsvorhabens daher maßgeblich bei.
CF-MB: Herzlichen Dank für den spannenden Austausch und weiterhin viel Erfolg, Patrick Heigl.

Patrick Heigl ist Bereichsleiter für Strukturierte Finanzierungen bei der Stadtsparkasse München, einem Kooperationspartner der CF-MB. In dieser leitenden Funktion als erfahrener Finanz- und Firmenkundenexperte verantwortet er den Aufbau und die Weiterentwicklung komplexer Finanzierungslösungen, darunter Konsortial- und Akquisitionsfinanzierungen, Projektfinanzierungen sowie Unternehmensnachfolge- und M&A-Strukturen.
Nach einer Banklehre mit Weiterbildungen zum Sparkassenfachwirt und Sparkassenbetriebswirt sowie einem Diplom und MBA in Banking & Finance entwickelte er sich innerhalb der Sparkassenorganisation vom Privat- und Firmenkundenberater bis zum Unternehmenskundenberater, bevor er die Bereichsleitung übernahm.
Sein Schwerpunkt liegt auf der Strukturierung anspruchsvoller Finanzierungen für mittelständische Unternehmen, insbesondere bei Wachstum, Nachfolge und Unternehmenskäufen, indem er Kapitalgeber, Finanzierungsstrukturen und Unternehmen zu tragfähigen Gesamtlösungen verbindet.