CF-MB im Gespräch mit... Dr. Ansgar Schleicher - S-UBG

Der deutsche Mittelstand befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Unternehmensnachfolgen nehmen stark zu, gleichzeitig steigen Kapitalbedarf, Innovationsdruck und die Anforderungen an professionelle Finanzierungsstrukturen. Für viele Unternehmen stellt sich damit nicht nur die Frage nach Wachstum, sondern auch nach geeigneten Beteiligungs- und Eigentümermodellen für die Zukunft.

In diesem Umfeld gewinnen Beteiligungsgesellschaften mit langfristigem Ansatz und regionaler Verankerung zunehmend an Bedeutung. Minderheitsbeteiligungen, wachstumsorientierte Kapitalpartnerschaften und flexible Finanzierungsmodelle bieten attraktive Alternativen zu klassischen M&A-Transaktionen und vollständigen Eigentümerwechseln.

Zu den etablierten Akteuren in diesem Segment zählt die S-UBG aus Aachen, die derzeit mehr als 40 Unternehmensbeteiligungen hält und rund 180 Mio. EUR Beteiligungsvermögen verantwortet. Damit gehört sie zu den führenden mittelständischen Beteiligungsgesellschaften mit Sparkassenhintergrund in Deutschland.

Die CF-MB spricht mit Dr. Ansgar Schleicher über den Investmentansatz der S-UBG, die Besonderheiten eines sparkassenverbundenen Beteiligungsmodells sowie die Herausforderungen und Chancen von Unternehmensnachfolgen im deutschen Mittelstand.

CF-MB: Herr Dr. Schleicher, die S-UBG ist seit vielen Jahren ein etablierter Beteiligungspartner für den Mittelstand. Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben?

Schleicher: Unser Ansatz ist eigentlich ganz einfach: Wir sind ein langfristiger Partner für den Mittelstand. Seit fast 40 Jahren begleiten wir Unternehmen im Rheinland mit Eigenkapital. Dabei geht es uns nicht um schnelle Transaktionen, sondern um nachhaltige Entwicklung. Wir investieren in Wachstum, begleiten Nachfolgen und unterstützen bei Gesellschafterwechseln.

CF-MB: Was unterscheidet Ihr Geschäftsmodell als Beteiligungsgesellschaft mit Sparkassenhintergrund von klassischen Private-Equity-Häusern?

Schleicher: Wir sind regional verankert und denken in langen Zeiträumen – nicht in Fonds-Zyklen von fünf bis sieben Jahren. Unsere Gesellschafter, die Sparkassen der Region, haben einen gesellschaftlichen Auftrag, und den leben wir mit. Das bedeutet konkret: Wir müssen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen. Diese Geduld schätzen Unternehmer und Unternehmerinnen sehr, weil sie wissen, dass wir nicht auf einen schnellen Exit hinarbeiten.

CF-MB: Welche Rolle spielen Minderheitsbeteiligungen in Ihrem Portfolio, und welche Vorteile bieten diese Struktur für Unternehmer?

Schleicher: Minderheitsbeteiligungen sind der Kern unseres Geschäfts. Für viele Mittelständler ist das entscheidend: Sie bekommen frisches Kapital, behalten aber das Steuer in der Hand. Der Unternehmer bzw. die Unternehmerin bleiben Chef bzw. Chefin im eigenen Haus und kann das Unternehmen weiterhin eigenständig führen. Wir bringen uns mit Rat und Expertise ein, aber wir drängen uns nicht auf. Das schafft Vertrauen und ermöglicht eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

CF-MB: Welche Kriterien sind für Sie bei der Auswahl von Beteiligungen entscheidend – sowohl auf Unternehmens- als auch auf Managementebene?

Schleicher: Die Qualität des Managements steht für uns an erster Stelle. Das Unternehmen kann das beste Geschäftsmodell haben – wenn das Management nicht passt, wird das Unternehmen nicht erfolgreich. Auf Unternehmensebene schauen wir natürlich auf Wachstumspotenzial, Marktposition und Zukunftsfähigkeit. Aber letztlich investieren wir in Menschen, die ihre Branche verstehen und mit Leidenschaft dabei sind. Vertrauen und eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft sind dabei essenziell.

CF-MB: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Unternehmern nach Einstieg – insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Mittelständler ihre Unabhängigkeit bewahren möchten?

Schleicher: Wir verstehen uns als Sparringspartner, nicht als Kontrolleur. Die operative Führung bleibt beim Management – das ist uns wichtig. Wir bringen uns ein, wenn wir gefragt werden oder wenn wir sehen, dass unsere Erfahrung helfen kann. Durch meine eigene Vergangenheit als Geschäftsführer und Unternehmer weiß ich, wie wichtig es ist, Gestaltungsfreiheit zu haben. Gerade deshalb achten wir sehr darauf, die Unabhängigkeit unserer Portfoliounternehmen zu respektieren.

CF-MB: Ein häufiges Einsatzfeld ist die Unternehmensnachfolge. Welche Herausforderungen beobachten Sie hier aktuell im Markt?

Schleicher: Die Nachfolge ist eines der drängendsten Themen im Mittelstand. Viele Unternehmer der Babyboomer-Generation stehen vor dem Generationswechsel, aber es gibt oft keine familieninterne Lösung. Gleichzeitig wird die Suche nach geeigneten Nachfolgern immer schwieriger. Wir gestalten den Nachfolgeprozess aktiv mit und tragen dazu bei, das Unternehmen für die nächste Generation wertorientiert weiterzuentwickeln. Dabei kombinieren wir oft MBO- oder MBI-Lösungen mit unserer Beteiligung.

CF-MB: Welche Bedeutung hat Ihr regionaler Fokus für Ihre Investmentstrategie?

Schleicher: Wir kennen die Wirtschaftsstrukturen, die Netzwerke, die Menschen vor Ort. Die kurzen Wege ermöglichen schnelle Entscheidungen und persönliche Beziehungen. Unternehmen schätzen es, dass wir nicht aus Frankfurt oder München kommen und nach der Transaktion wieder verschwinden. Wir sind hier verwurzelt – genauso wie die Unternehmen, in die wir investieren.

CF-MB: Minderheitsbeteiligungen bedeuten begrenzten Einfluss. Wie sichern Sie trotzdem Ihre Renditeerwartung ab?

Schleicher: Das ist eine berechtigte Frage. Natürlich haben wir bei Minderheitsbeteiligungen keine Durchgriffsrechte wie ein Mehrheitsgesellschafter. Aber wir sichern uns über klare vertragliche Regelungen ab – etwa Informationsrechte, Zustimmungsvorbehalte bei wesentlichen Entscheidungen und definierte Exit-Szenarien. Das Wichtigste ist aber die Partnerschaft selbst: Wenn beide Seiten am selben Strang ziehen, braucht es weniger formale Absicherung. Gute Kommunikation ist der beste Schutz.

CF-MB: Verkauf/Nachfolge ist oft auch ein emotionaler Prozess für Unternehmer. Wie begleiten Sie die menschliche Seite eines Einstiegs?

Schleicher: Die emotionale Komponente wird oft unterschätzt. Ein Lebenswerk loszulassen oder auch nur zu teilen, ist für viele Unternehmer und Unternehmerinnen ein großer Schritt. Wir nehmen uns Zeit für diese Gespräche und gehen respektvoll mit der Geschichte des Unternehmens um. Es geht nicht nur um Zahlen und Verträge, sondern auch darum, Vertrauen aufzubauen. Diese Sensibilität haben wir über Jahrzehnte entwickelt und wir können auch damit umgehen, wenn dieser Prozess mal einige Jahre dauert.

CF-MB: Herzlichen Dank für den spannenden Austausch und weiterhin viel Erfolg, Dr. Ansgar Schleicher.

 

 

Dr. Ansgar Schleicher - Vorstand S-UBG

Dr. Ansgar Schleicher ist Vorstand der S-UBG AG und verantwortet Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen sowie die strategische Weiterentwicklung. Darüber hinaus ist er Managing Partner des TechVision Fonds, über den Frühphaseninvestments in technologieorientierte Start-ups umgesetzt werden.

Der promovierte Informatiker verfügt über langjährige Erfahrung als Unternehmer, Geschäftsführer und Investor in technologieintensiven Branchen. Über viele Jahre war er in leitenden Funktionen bei der DSA Daten- und Systemtechnik GmbH tätig, zuletzt als Geschäftsführer. Parallel dazu verantwortete er als Geschäftsführer der DSA Invest GmbH zahlreiche Beteiligungen und arbeitete eng mit institutionellen Investoren zusammen.

Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Technologie, Geschäftsmodellentwicklung und Finanzierung. Neben seiner operativen und investorenbezogenen Tätigkeit engagiert sich Dr. Schleicher als Gastdozent an der RWTH Aachen und bringt seine Erfahrung in die Ausbildung im Bereich Informatik und Elektrotechnik ein.

Dr. Schleicher verfügt über umfassende Expertise in der Begleitung von Wachstums- und Transformationsprozessen sowie in der Strukturierung von Beteiligungslösungen im Mittelstand und im Venture-Capital-Umfeld.