CF-MB im Gespräch mit... Dr. Hagen Wegner - FEV Consulting GmbH

Kaum ein Sektor hat in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie der Technologiesektor. Als Experte für Technologieunternehmen haben wir mit Dr. Hagen Wegner zu aktuellen M&A-Trends des Sektors, den Herausforderungen in Due Diligence-Prozessen und den Aussichten für die kommenden Jahre gesprochen.

1. Wie wirkt sich die Pandemie auf M&A-Transaktionen im technologischen Sektor aus?

Wir haben bereits vor der Pandemie sehen können, dass seit ungefähr Ende 2018 M&A Transaktionen sehr viel kritischer betrachtet wurden als zuvor, und dass strategische Investitionen in neue interessante Branchen wie Medizintechnik und Biologie verlagert wurden.

Das liegt zum einen daran, dass wir durch ausgewählte Megatrends wie z.B. Nachhaltigkeit und Digitalisierung eine Änderung in der Wahrnehmung von Endkunden als auch den klassischen Geschäftsmodellen sehen. Zum anderen sehen wir in bestimmten Industrien, wie z.B. in der Automobilindustrie, ein starkes Spannungsfeld, geprägt von erheblichem Druck zur Kostenreduktion, Investitionen in neue Technologien (Elektrifizierung, Autonomes Fahren, Konnektivität) und Verschiebungen innerhalb der Wertschöpfungsketten.

Dies führt aktuell zu einer starken Marktdynamik und einer schwierigeren Vorhersage zukünftiger Umsatzpotenziale. Als Folge gestaltet sich die Kaufpreisbildung für Investoren schwieriger und der Bedarf nach Absicherung über Vertragsklauseln wird größer. Mit der COVID-19 Pandemie ist nun eine weitere große Herausforderung hinzugekommen, die für einige Unternehmen durchaus existenzgefährdend ist oder auch noch zukünftig werden kann. Deshalb sehen wir in einigen Industriezweigen eine Konsolidierung als sehr wahrscheinlich. Insbesondere technologisch gut aufgestellte (kleinere) Mittelständler als auch neue Marktteilnehmer werden versuchen, die aktuelle Situation zu nutzen, um strategisch zu expandieren und sich neu aufzustellen.

2. Warum suchen gerade jetzt viele Unternehmen aktiv nach Zielunternehmen / Targets?

Die bereits erwähnten Trends stehen häufig nicht im Einklang mit der bisherigen Unternehmensausrichtung und dem Produktportfolio einiger Unternehmen. Das zeigt sich oftmals darin, dass Unternehmen aktuell nicht ausreichend diversifiziert sind, das heißt z.B. nur Produkte für Verbrennungsmotoren anbieten. Diese Produkte werden zukünftig weniger nachgefragt und deshalb suchen diese Unternehmen neue Geschäftsfelder für langfristiges Wachstum.

Typischerweise gibt es dabei zwei Stoßrichtungen für zusätzliches Wachstum außerhalb des bestehenden Geschäfts: Unternehmen können versuchen, das bestehende (Produkt- und Technologie-) Portfolio in neuen Märkten, Anwendungen und Industrien zu platzieren. Alternativ können Unternehmen Ihre existierenden Kompetenzen in einem bestehenden oder ähnlichen Produktumfeld erweitern, um eine höhere Wertschöpfung zu realisieren. Für beide Alternativen wird oftmals das organische Wachstum als zu langsam und wenig erfolgsversprechend empfunden, sodass ein anorganisches Wachstum präferiert wird.

3. M&A Aktivitäten werden besonders durch die Ergebnisse der Due Diligence geprägt. Wo liegt für Sie ein erfolgskritischer Fokus?

Eine Due Diligence steht für eine ordentliche Prüfung eines zum Verkauf stehenden Unternehmens, typischerweise initiiert durch den potenziellen Käufer. Dabei sind verschiedene Aspekte, wie z.B. Legal, Tax, Financial, aber auch Markt (Commercial) und die technische Analyse (Technical) wichtig. Insbesondere die letzten beiden Aspekte unterstützen wir bei FEV Consulting vornehmlich.

Bei einer „Commercial Due Diligence“ betrachten wir im Detail das Marktumfeld, inklusive existierender und möglicher neuer Wettbewerber, Lieferketten, Kunden und Wachstumstreiber. Dabei untersuchen wir konkret das Umsatzpotenzial von Produkten und Unternehmen, sowie korrespondierende Wachstumstreiber oder -risiken. Hierbei arbeiten wir vornehmlich Szenarien basiert und bringen unser breites Markt- und Expertenwissen ein, um der bereits zuvor beschriebenen Dynamik in den Märkten gerecht zu werden.

Bei der „Technical Due Diligence“ gibt es zwei wesentliche Blickwinkel. Zum Einen prüfen wir, ob das Produktportfolio sowohl heute als auch in der Zukunft wettbewerbsfähig ist und gegenüber den von uns aufgezeigten Technologietrends und Wettbewerberinnovationen standhalten kann; zum anderen prüfen wir die Organisation und die wesentlichen Prozesse in den Bereichen Strategie, Entwicklung, Fertigung, Einkauf, Logistik und Vertrieb des Zielunternehmens auf Herz und Nieren. Dabei besuchen wir idealerweise die örtlichen Entwicklungs- und Fertigungsstandorte, um uns einen direkten Einblick zu schaffen. Je nach Kunde (Käufer oder Verkäufer) gehen diese Analysen einher mit der Entwicklung oder Bewertung von Business Plänen in verschiedenen Szenarien. Basierend auf diesen Untersuchungen, kann das Geschäftsmodell im Detail mit den angenommenen Umsatzerwartungen des Unternehmens dargestellt und hinterfragt werden kann.

Die FEV Consulting ist sehr gut aufstellt für diese Art von Projekten, da wir die notwendigen Disziplinen in unserem Geschäftsmodell vereinen: Technologie und Markt!

4. Wie kann sich ein Unternehmen (technisch und technologisch) optimal auf den Transaktionsprozess vorbereiten?

In der Regel ist der Wunsch, ein Unternehmen zu verkaufen, eher langfristig geplant. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel ein geeigneter Nachfolger in der Geschäftsführung ist nicht in Sicht oder das Synergiepotenzial mit einem anderen Unternehmen wird für beide Parteien als gewinnbringend eingeschätzt. In diesen Fällen sollte der Verkauf ein Teil des strategischen Prozesses sein, und nicht kurzfristig begonnen werden.

In vielen Fällen hat es sich als zielführend erwiesen, bereits im Vorfeld eines Verkaufs die Due Diligence und den potentiellen Datenraum über einen längeren Zeitraum zu planen und vorzubereiten, da sich dadurch mögliche Potentiale und Schwachstellen eher erkennen und teilweise beheben lassen. Typische Herausforderungen von Unternehmen sind dabei z.B. nachteilige Kostenstrukturen im eigenen Unternehmen oder in der Supply Chain, aber auch Investitionsstau und fehlende Innovationskraft. Gerade das Thema Innovation kann durch regelmäßige Produkt- und Marktbetrachtungen unterstützt werden, und führt in der Regel zu nachvollziehbaren und kurz- bis mittelfristig realisierbaren Umsatzpotentialen. Das garantiert typischerweise, dass die Verkäufer hinsichtlich großer Trends auf dem neuesten Stand sind und sich entsprechend positionieren können. Dazu gehören auch mögliche Synergien mit potenziellen Käufern, die besser bewertet werden können, und eine gute Basis für die Kaufpreisbildung und für Post Merger Aktivitäten bilden.

Ein grundsätzliches Thema ist auch die Resilienz eines Unternehmens. Mit Hilfe von regelmäßigen Stresstests bestimmen wir, wie anpassungsfähig bzw. anfällig ein Unternehmen für Krisen ist. Die aus der Analyse abgeleiteten Maßnahmen helfen Unternehmen dabei, sich nachhaltiger zu entwickeln und die Attraktivität für einen möglichen Verkaufsprozess zu erhöhen.

5. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten technisch orientierter Unternehmen für den Rest des Jahres 2021 und darüber hinaus ein?

Nach einem schwierigen Jahr 2020, in dem es einen großen Einbruch von Investitionen und Ausgaben gab, um die eigene Existenz zu sichern, sehen wir in 2021/2022 durchaus wieder eine positive Erholung der Märkte und stärkere Investitionsbereitschaft.

Es wird für den Rest des Jahres 2021 und darüber hinaus einen weiterhin großen Bedarf und Wunsch nach Neuausrichtung und Diversifizierung bei vielen Unternehmen geben. Dafür entwickeln wir für unsere Kunden neue Geschäftsmodelle und Produktideen in Bereichen wie zum Beispiel Neue Materialien, Leichtbau, Nachhaltigkeit, Elektrifizierung und neue Antriebe. Oftmals sehen wir, dass Unternehmen sich damit schwertun, die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle und Produktideen allein zu bewältigen. Der Zukauf von oder die Partnerschaft mit Marktbegleitern, bei deren Identifizierung und Bewertung wir unsere Kunden regelmäßig unterstützen, ist ein logischer nächster Schritt. Damit lassen sich Umsatzpotentiale und Veränderungen bewirken, die sich aus organischem Wachstum in der Regel nicht kurzfristig ergeben

CF-MB: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Wegner.

Dr. Wegner ist als Principal der FEV Consulting GmbH insbesondere im Bereich der Produktionsstrategien, Due Diligence, M&A Unterstützung, Technologiestrategien und Nachhaltigkeitsthemen tätig.

Herr Dr. Wegner ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen, promovierte im Bereich Produktionstechnik und schloss erfolgreich ein MBA Studium in Aachen ab. Nach mehreren Jahren im Bereich F&E Management am WZL der RWTH Aachen und einigen Jahren in der Unternehmensberatung wechselte er in die Geschäftsführung eines Automobil- und Luftfahrtzulieferers, bevor er als Principal zur FEV Consulting zurückkehrte. Während seiner 20 Jahre in Industrie, Forschung sowie Managementberatung, ist Dr. Wegner zu einem Experten auf den Gebieten Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie Private Equity geworden.